Lukas – Thorstein

Unter widrigen Umständen wuchs ein Junge, genannt Thorstein, im fernen Gotland auf.
Es war ein beschauliches Dorf direkt an der Küste. Er lernte schnell, stark sein zu müssen – als Mittelkind von insgesamt 3 Kindern hatte er es nicht immer einfach.

Sein Großvater, von dem er ein Teil seines späteren Handwerks erlernte und seiner Großmutter, die ihm regelmäßig Geschichten über die Götter erzählt wurden, wurde er geprägt.
Sein Elternhaus lag im Zwiespalt. Um dem zu entfliehen, zog er in die umliegenden Wälder und beschäftigte sich mit den Gaben der Natur und den Göttern.

Eines fernen Tages, der junge Thorstein war 20 Monde alt, kam er aus dem Wald zurück und was er erblickte, war grausam. Sein Dorf ward überfallen von einem fremden Stamm.
Häuser standen in Flammen, die Leute schrien und flehten um Ihr Leben, doch diese Gnade wurde keinem zuteil. Er konnte seinen Blick, der geprägt von Ohnmacht und Hass war, nicht von dem Geschehen abwenden.

Auf der anderen Seite des Dorfes erspähte der junge Thorstein einen Mann. Er war groß … nahezu so groß, wie ein Riese – dieser Mann stand nur da und erwiderte Thorsteins Blick. Mit dem nächsten Wimpernschlag war dieser riesige Mann verschwunden und Thorstein spürte, wie sich eine Hand auf seine Schulter legte. Eben jener Mann stand hinter ihm und flüsterte „Es wird Zeit …“. Ohne weitere Worte zu verlieren verschwand er im Nebel, der sich nach und nach über das Land legte. Wie ein Mantel verschlang der Nebel das Dorf und die Schreie drangen stumpf durch den Nebel.

Thorstein nahm seine Axt und ein paar seiner Habseligkeiten die er immer im Wald versteckte.
Nun zog er alleine durch die weiten des Gotlandes – in Gedanken bei dem, was er miterleben musste. Beladen mit Wut, Trauer und der Frage, was nun aus ihm werden sollte. Er hatte nur ein paar Fähigkeiten erlernen dürfen.

An einer Lichtung, nahe einer großen, meist vielbefahrenen Straße, rastete er. Er setzte sich nieder, zückte sein Horn und befüllte dies mit Met, ein paar Kräutern und Stücke von einem veralteten Laib Brot, das er in seiner Tasche fand. Gegenüber seines Platzes sah er eine Weide von Schafen. Seiner Intension folgend sprang er über den halbherzig erbauten Zaun und erlegte eines der Schafe. Ein wenig Blut sollte auch den Weg in sein Horn finden. Er sprach zu den Göttern, fragte warum sie ihn nicht vor diesem Anblick verschont haben. Er opferte den ersten Schluck und trank den zweiten.

Es überkam ihn eine Art von Fieberwahn, indem er seine ganze Kindheit erlebte. Dieser große Mann, man nannte Ihn Thor, den Donnergott – Wächter über Midgard, der Menschen und Seefahrer. Thorstein fühlte sich, nicht nur aufgrund der Namesgleichung, mit ihm verbunden. Auch der junge Thorstein hatte immer einen Hang zu beschützen und ihm war auch klar, dass er ein Krieger ist, der noch viel zu lernen hat. Mit jedem Lernerfolg wurde ihm deutlich, wie stark er wirklich ist. Nur wen oder was sollte er beschützen? Das haben ihm die Götter nie verraten. Dies galt es, herauszufinden.

So reiste er bis nach Malmö, einer Hafenstadt im südlichen Teil Schwedens. Für ein paar Gefälligkeiten konnte er nach Haithabu übersetzen. Thorstein zählte kaum 21 Monde bei dieser Überfahrt.

In Haithabu hörte Thorstein von einem Ragnar Týrfingur Vali und einer Gruppe, die sich Blendingur nannte. In dieser Gruppe traf er auf Iduna Ferun Baltrun und ihren Sohn Boldur-Kili. Thorstein überkam ein Gefühl, das er zuvor nie wahrgenommen hatte. Die Seelen von Thorstein und Iduna kannten sich schon weit vor ihrem aufeinandertreffen. Von den Göttern bekam er die Gewissheit, dass diese Freundschaft einen tieferen Sinn haben sollte.

Iduna sollte auf ihren Krieger achten und Thorstein seine Völva beschützen …