Snorri „Baldr“ Ulfson

Snorri „Baldr“ Ulfson

Es war mit 19 Wintern, dass mich mein Unbehagen, in der vollen Stadt zu leben, dazu trieb, meine Familie und ihr stillstehendes Handelsleben hinter mir zu lassen. Schon in jungen Jahren war ich eher am Träumen und Kämpfen interessiert, denn am Feilschen um Warenpreise, also kam es nicht überraschend, dass ich wenige Wochen nach dem Julfest und dem ersten Geburtstag meines dritten Geschwisterkindes meine Tasche packte, den Wanderstock und die Axt zur Hand nahm und meinen Eltern vorerst Lebewohl wünschte.

Auf meinem Weg Richtung Norden verbrachte ich viel Zeit in Skagen, hörte viele Geschichten über unsere Götter, Orte aus fernen Landen und gab dabei selbst einige wenige zum Besten. Da meine Reise kein festes Ziel hatte, ließ ich mich von einem Händler dazu bringen, mit nach Kattegat zu reisen, einem aufstrebenden Dorf östlich von Åarhus, dessen junger und ehrgeiziger Jarl schon viele neugierige Blicke auf sich gezogen hatte.

Während meines Aufenthalts dort lernte ich den jungen Mönch lernen, den der Jarl auf seinem ersten Raubzug nach Westen mitgebracht hatte und inzwischen als freier Mann in Kattegat lebte. Aufmerksam lauschte ich seinen Erzählungen über das Leben in einem Kloster und erfuhr viel über den Christengott. Ebenso wissbegierig war Athelstan auf meine Geschichten und wir begannen im Laufe der Wochen Freundschaft zu schließen. Die ausgefallene Stimmung hielt jedoch nicht lange an, denn eine Krankheit machte sich im Dorf breit und die Götter forderten viele Leben. Darunter auch das der Tochter des Jarls, der bald zurückkehren würde. Nachdem ich sicherstellte, alles in meiner Macht stehende getan zu haben und mich vergewisserte, dass die Überlebenden wieder auf die Beine kämen, verließ ich das Dorf…

…Der Tag heute war ein wenig frustrierend. Abgesehen von der Strecke, die ich zurückgelegt habe, ist nichts gutes passiert. Es schneit seit Sonnenaufgang, falls man das so nennen kann und die Jagd heute war alles andere als erfolgreich. Mein Lagerfeuer musste ich unter einem kleinen Felsvorsprung errichten, weil mein Leinentuch gerissen ist und der Wind macht es nicht gerade leicht, darunter einen trockenen Fleck zu finden.

Während ich den letzten Absatz gestern Abend schrieb, trat eine junge Frau an mein Feuer, sie war durchgefroren und nass bis auf die Knochen, doch war sie, im Gegensatz zu mir, eine erfolgreiche Jägerin, denn sie hielt zwei große Hasen in den Händen. Ich bot ihr an, sich am Feuer zu wärmen und dafür wollte sie ihre Beute mit mir teilen, was mir nur recht war. Wir unterhielten uns lange und sie erzählte mir viel über sich und ihren Weg, der sie zu diesem Ort geführt hatte. Sie war kaum jünger als ich, doch ebenso erfahren im Kampf und weitaus besser, was das Jagen betraf. Auch ich erzählte von meinen Reisen und so war es spät in der Nacht, als wir uns schlafen legten. Heute morgen hat sie sich verabschiedet und vielleicht haben die Götter es vorgesehen, dass wir uns erneut treffen sollten. Ich mache mich nun wieder auf den Weg nach Süden… 

…Meine Reise führte mich weiter in das Dorf Ystad. Ich blieb jedoch nicht lange dort, denn wenige Tage nach meiner Ankunft erhielt ich Nachricht, das Schiff von Ragnar Týrfingur Vali läge endlich wieder im Hafen von Hedeby und so brach ich eilig auf. Mein 21stes Wiegenfest rückte näher und ich wollte meine Eltern besuchen; Die Chance den jungen Ragnar kennenzulernen wollte ich mir ebenfalls nicht nehmen lassen…

…Ragnar erwies sich als abenteuerlustig und ehrgeizig. Ich hatte mich immer nach größeren Abenteuern gesehnt und so kam es, dass ich mich Blendingur anschließen durfte und wir alsbald nach Norden aufbrachen. Auf der langen Reise lernte ich diese außergewöhnlichen Menschen besser kennen und fühlte mich bereit gemeinsam mit ihnen Abenteuer zu bestehen…

…Das wir dem schweren Sturm, der vor uns lag, nach Osten auswichen und in eine Bucht nach Trondheim segelten, sollte sich als glückliche Fügung erweisen, denn jene Frau, mit der ich vor weniger als einem Sommer die Wärme meines Lagerfeuers geteilt und die mir dafür von ihrer Beute abgegeben hatte, war vor vielen Monaten in die vom Handel profitierende Stadt gekommen. Sie entschloss sich ebenfalls dazu, Blendingur zu begleiten und nach ein wenig Hilfe durch Thorstein, der auch erst vor kurzem dazugestoßen war, entwickelte sich zwischen Smilla Kristoffsdóttir und mir weit mehr als Freundschaft…